Neue Schule, neues Englischbuch, und am Freitag steht der erste Vokabeltest an. Viele kennen den Plan B: am Donnerstagabend die ganze Liste so lange lesen, bis sie sitzt. Am Freitag klappt das oft noch. Zwei Wochen später ist das meiste wieder weg.
Vergessen gehört zum Lernen dazu. Du kannst dir aber helfen: Verteile die Wiederholungen auf mehrere Tage und prüfe zwischendurch, welche Wörter du ohne Nachschauen weißt.
1. Lieber oft und kurz als einmal lang
Lerne ein paar Wörter heute, frag sie morgen noch einmal ab und wiederhole sie einige Tage später. So übst du, dich auch nach einer Pause an sie zu erinnern.
Genau das ist die Idee hinter verteiltem Lernen (englisch „spaced repetition“): Du wiederholst ein Wort nicht zehnmal am Stück, sondern mit Pausen dazwischen. Wörter, die du schon gut kannst, kommen seltener dran. Wörter, die noch wackeln, öfter.
Das ist keine Bauchgefühl-Regel. Eine Übersichtsstudie hat 22 Untersuchungen aus echten Klassenzimmern ausgewertet. Verteiltes Üben schnitt dort im Schnitt deutlich besser ab als dieselbe Lernzeit am Stück (Mawson & Kang, Behavioral Sciences, 2025).
2. Kleine Portionen, jeden Tag
Plane zum Einstieg etwa zehn Minuten am Tag ein. Wie viele Wörter du in dieser Zeit schaffst, hängt davon ab, wie neu oder schwierig sie für dich sind:
- Neue Wörter dosieren. Lieber fünf bis zehn neue Wörter am Tag als die ganze Unit auf einmal.
- Einen festen Moment wählen. Nach dem Mittagessen, im Bus, vor dem Abendbrot. Wenn es immer zur gleichen Zeit passiert, musst du nicht jedes Mal neu daran denken.
- Pausen einplanen. Wenn du müde wirst und nur noch rätst, mach eine Pause. Die nächste kurze Runde darf später kommen.
3. Unit für Unit
Nimm dir zunächst eine kleine Gruppe aus der aktuellen Unit vor. So bleibt die Menge überschaubar. Plane daneben Wiederholungen älterer Wörter ein, von Hand oder mit einer Lernkarten-App.
Alles zu mischen ist nicht automatisch besser. Eine Übersichtsstudie fand je nach Lernstoff unterschiedliche Ergebnisse. Bei Wortmaterial war es günstiger, Gruppen nacheinander zu üben, statt sie zu mischen (Brunmair & Richter, 2019). Daraus folgt aber keine feste Regel für Schulbuch-Units. Wichtig ist, dass du ältere Wörter weiter wiederholst.
4. Erst erinnern, dann nachschauen
Der wichtigste Trick ist auch der einfachste: Deck die Lösung ab und versuch erst, dich zu erinnern. Erst dann schaust du nach.
Beim Lesen sieht ein Wort schnell vertraut aus. Ob du es selbst weißt, merkst du erst ohne die Lösung. Sag die Antwort, bevor du nachschaust. Wenn sie dir nicht einfällt, lies sie nach und versuch es später noch einmal.
Übe außerdem beide Richtungen: Was heißt „dog“ auf Deutsch? Und wie heißt „Hund“ auf Englisch? Ein Wort zu verstehen und es selbst zu finden sind zwei verschiedene Aufgaben. Schreib oder tippe das englische Wort auch, damit du die Rechtschreibung übst.
5. Sag die Wörter laut
Probier aus, ein neues Wort laut zu sagen und in einem kurzen Satz zu verwenden: „I have a dog. My dog is called Bello.“
Lautes Sprechen kann beim Erinnern helfen. In der Studie zum Produktionseffekt wurden einige Wörter laut und andere still gelesen (MacLeod u. a., 2010). Das heißt nicht, dass du alles laut lernen musst. Für die Aussprache lohnt es sich: Hör dir ein unbekanntes Wort zuerst an und sprich es dann nach.
6. Für Eltern: Begleiten statt abfragen
Als Elternteil musst du nicht der Vokabeltrainer sein. Oft hilft mehr:
- Den festen Moment schützen. Zehn ruhige Minuten sind mehr wert als eine Stunde mit Diskussionen.
- Neugierig fragen statt prüfen. „Welches Wort war heute komisch?“ statt „Was heißt Kühlschrank?“
- Mitmachen. Wer selbst gerade etwas lernt, kann sich prima mit dem Kind zusammen hinsetzen. Jede Person übt ihr eigenes Zeug.
Mit Minki üben
Wenn du die Wiederholungen nicht selbst planen willst, kann eine Lernkarten-App das übernehmen. Wir bauen dafür Minki. Du deckst eine Karte auf und sagst, ob du sie wusstest: Nochmal, Gut oder Leicht. Minki plant dann, wann die Karte wieder drankommt. Neue Karten sind pro Tag begrenzt, damit die Portionen klein bleiben.
Für den Anfang gibt es in der Bibliothek das kostenlose Set English–German Starter Words: 311 Alltagswörter in sieben Themen, mit Aussprache. Die eine Seite ist Deutsch, die andere Englisch. Voreingestellt übst du beide Richtungen, Deutsch → Englisch und Englisch → Deutsch. Es ist kein Set zu einem bestimmten Schulbuch. Für die Wörter aus deiner aktuellen Unit legst du am besten ein eigenes Set an, Unit für Unit. Wie das geht, steht in der Anleitung zum eigenen Kartenset.
Minki läuft direkt im Browser, ohne Konto, und nach dem Herunterladen auch offline, zum Beispiel auf dem Schulweg. Geschwister können sich ein Tablet teilen. Jede Person hat dann ihr eigenes Lernprofil mit eigenem Fortschritt.
Fang heute mit einer kleinen Portion an. Morgen prüfst du, was schon sitzt und was du noch üben möchtest. So merkst du vor dem Test, wo du noch Zeit brauchst.
Quellen
- Mawson, R. D. & Kang, S. H. K. (2025). The Distributed Practice Effect on Classroom Learning: A Meta-Analytic Review of Applied Research. Behavioral Sciences 15(6), 771. https://doi.org/10.3390/bs15060771
- Brunmair, M. & Richter, T. (2019). Similarity matters: A meta-analysis of interleaved learning and its moderators. Psychological Bulletin 145(11), 1029–1052. https://doi.org/10.1037/bul0000209
- MacLeod, C. M., Gopie, N., Hourihan, K. L., Neary, K. R. & Ozubko, J. D. (2010). The production effect: Delineation of a phenomenon. Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition 36(3), 671–685. https://doi.org/10.1037/a0018785